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Couleurkrise

Mit der Nachkriegszeit brach aber eine andere Bedrohung über den UV herein. Bei den meisten Verbindungen lockerte sich der Comment. Die an die Universitäten strömenden jungen Menschen waren geprägt von einer liberalen Haltung und fühlten sich sehr von den modern erscheinenden Prinzipien der Unitas angezogen. Es entstanden die neustudentischen Unitas-Vereine (Unitas Rolandia Münster, Deut-schritter-Unitas Köln u. a.). Diese lehnten alle Formen des studentischen Brauchtums ab, sahen sich als Vertreter der sozial schwächeren Schichten und in der Pflicht, eine vom katholischen Geiste bestimmte, neue Volkskultur zu begründen.
Dieser so bezeichneten Disziplinlosigkeit standen die altstudentischen Kreise entgegen (Unitas Berlin, Bonn, Würzburg, Unitas Staufia u. a.). Sie sahen in der Ungebundenheit der Neustudenten vor allem eine Gefahr für den Gemeinschaftsgedanken in der Unitas. Selbstzucht und Unterordnung seien Basis für ein unitarisches Leben. Die Altstudenten gingen gar so weit, daß sie wie die Gothia Berlin den Umkehrschluß zogen und Couleur anlegten. Es bildete sich sogar ein eigener Verband, der "Ring-Verband" (inzwischen: Ring Katholisch-Deutscher Burschenschaften - RKDB). Die Gründungsverbindung war die Sigfridia Bonn, der vor dem Weltkrieg ein Student beitrat, der das Vereinsleben während dieser Zeit aufrecht erhalten konnte, da er als Körperbehinderter nicht eingezogen wurde: Joseph Goebbels (1897-1945). Wegen Couleurschande und anderer Vergehen war er aus der Unitas schon vor Gründung des RKDB ausgeschlossen worden, was er nicht vergaß und viele unserer Bundesbrüder später in seiner Funktion spüren ließ.
Daß die Couleurkrise aber letztlich mit dem Ausscheiden der Couleurfreunde und einem friedlichen Kompromiß zwischen altstudentischen und neustudentischen Vereinen endete, erwies sich als heilsamer Reinigungsprozeß. Der UV erstarkte in den Folgejahren, gründete neue Vereine und war an manchen Orten größer als die anderen katholischen Verbände.


Unterkapitel

Vorläufer
Ursprung
Gründung
Krisen
Weimar
Couleurkrise
1933-38
Gegenwart